Wir wachsen an den Grenzen

Wie gelingt es, bei sich zu bleiben und zugleich in Verbindung? Dieser Frage gingen am 26. September 2026 57 Beraterinnen und Berater beim Online-Fachtag der DGTA-Fachgruppe Beratung nach. Das Thema: „Grenzen haben, Grenzen setzen – verbunden bleiben“.

Nach der Begrüßung durch Bertine Kessel, Vorsitzende der DGTA, stellte Peter Rudolph für den Vorstand der Fachgruppe die Leitfrage des Vormittags: Wer bin ich – und wer ist der andere?

Ein vierblättriges Kleeblatt der Entwicklung vom Institut Günter Hallstein

Keynote: Grenze ist nicht Linie, sondern Raum

Günter Hallstein, Theologe und Psychotherapeut, zeichnete in seiner Keynote „Ich, du und die Grenze“ nach, wie sich das Verständnis von Grenze in der Transaktionsanalyse gewandelt hat. Die Kontur der Persönlichkeit sei eher eine Membran als eine Linie, gesunde Grenzen seien wahrnehmbar, durchlässig und beweglich. Seit den 1980er-Jahren rücke die TA die Beziehung selbst ins Zentrum. Hallsteins Fazit: „Grenze ist nicht Linie, sondern Raum.“

Zum Abschluss stellte er ein vierblättriges Kleeblatt der Entwicklung vor: Ich nehme mich wahr. Ich unterscheide mich. Ich bleibe in Kontakt. Ich schaue auf uns. Als Merksatz gab er eine Frage mit: „Werden wir in dieser Beziehung mehr ich selbst und mehr wir?“

Vier Workshops für die Praxis

  • Grenzen spüren, halten, gestalten: Dr. Katharina Gnirke stellte ihr Vier-Ebenen-Modell vor – von der körperlichen bis zur psychologisch-narrativen Grenze.
  • Achtsam Grenzen setzen: Ursula Trahasch verband das Ich-Grenze-Modell von Klaus Blaser mit Konzepten der TA.
  • Grenzen sind meistens eine Frage der Worte: Verena Breuckmann zeigte, wie Ratsuchende eigene Sätze für ein Nein finden, das den Kontakt hält.
  • Brauchen wir neue Antreiber? Claudia Horstmann und Günther Mohr fragten, ob Kahlers fünf Antreiber in einer Gesellschaft der Singularitäten noch genügen.

Fazit

So unterschiedlich die Zugänge waren, sie führten zum selben Befund: Gelingende Grenzgestaltung heißt nicht härtere Abgrenzung, sondern wahrnehmen, unterscheiden und im Kontakt bleiben. Die Fachgruppe nimmt Anregungen mit, darunter längere Workshops und eine Vertiefungsrunde mit Katharina Gnirke.

Du warst dabei? Die Präsentationen findest Du im Mitgliederportal. Den ausführlichen Bericht liest Du in der nächsten DGTA-INFO.