Wir nehmen Abschied von Dr. Heinrich Hagehülsmann

Dr. Heinrich Hagehülsmann verstarb am 23.02.2020. Mit ihm verlieren wir einen Menschen, der über Jahrzehnte die Geschicke der DGTA mitgestaltet und begleitet hat. Er hat die Transaktionsanalyse weiterentwickelt, in vielen Büchern publik gemacht und die Zeitschrift für Transaktionsanalyse ins Leben gerufen. Wir werden ihn und seine kluge, besonnene, humorvolle und wertschätzende Art sehr vermissen.

In stiller Trauer und Anteilnahme für seine Familie

04.07.1941  23.02.2020
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„Da ist ein Land der Lebenden
und da ist ein Land der Toten,
und die Brücke zwischen ihnen ist die Liebe…“
(Thornton Wilder)…aus der Traueranzeige

Wir trauern um Dr. Heinrich Hagehülsmann.

Unser Mitgefühl, unsere Sympathie, unsere Sprachlosigkeit ist besonders bei seiner geliebten Frau, Ute Hagehülsmann, und den Töchtern Anna-Mareike und Christina Hagehülsmann.

Wir Kolleginnen und Kollegen, Freunde verlieren mit Dr. Heinrich Hagehülsmann einen Menschen, der uns geprägt und begleitet hat. Einen Menschen, der sich mit uns verbunden hat.

Als Mitglieder des Verbands sind wir dankbar, dass Heinrich so lebendig, so herzerfrischend dabei war, mit seinen Werken, mit seiner Stimme, mit seiner Kraft, mit seinem ganzen Sein, das er so häufig ganz in den Dienst des Verbandes gestellt hat. Er hat wesentlich die Transaktionsanalyse in
Theorie und Praxis lebendig und verstehbar gemacht und uns herausgefordert zu Verantwortung und Auseinandersetzung.

Während wir aktuell mit einer der größten Herausforderungen unserer jüngeren Geschichte kämpfen und Orientierung suchen, mögest Du, Heinrich, in Frieden ruhen können. Und wie nötig hätten wir gerade jetzt Dich gebraucht, wir vermissen Deine Gedanken, Dein Statement, Dein bei uns sein.

Es ist tröstlich zu wissen, dass Du erst jüngst sinngemäß sagen konntest: „Ich bin so reich beschenkt vom Leben, von meinen Liebsten und ich durfte so viel schenken.“ Und nachhaltig geschenkt hast Du, Heinrich, viel. Du hast viele von uns begleitet, und immer wieder liebevoll ermutigt, neue, vielleicht zunächst unmöglich scheinende EIGENE Wege zu gehen. Ich selbst fühle mich auf so vielen Ebenen beschenkt von Dir.

Wie wunderbar gefügt hat es sich daher, dass Heinrich Hagehülsmann in Wien am 12. Mai 2018 von der DGTA für sein Lebenswerk geehrt wurde.
Wie hieß es noch in der Laudatio? „Da wo Sonne ist, ist auch Schatten“ und beide Aspekte sind nicht trennbar sondern führen genau deshalb zu Wachstum. Zum Wachstum der Menschen einschließlich Dir und der Systeme. Du hast die DGTA wachsen lassen. Das zeigt sich auch in seinem unermüdlichen Engagement in der Gremienarbeit, in dem er dem Verband wesentliche Impulse gegeben hat. U. a. war er Gründer und Herausgeber der „Zeitschrift für Transaktionsanalyse “ (1984 bis 1991); er hat zusammen mit seiner Frau Ute 7 Kongresse federführend geleitet und war 4 Jahre Leiter des WBA.

Sein beruflicher Lebensweg als Dr. phil., Diplom-Psychologe, Psychologischer Psychotherapeut, Supervisor (BDP), Coach für Führungskräfte, Lehrender der Transaktionsanalyse im Feld Psychotherapie (u. S.) mit integrierten Ansätzen aus der personzentrierten Gesprächspsychotherapie,

Gestalttherapie und der Schiffschule hat Heinrich Hagehülsmann ausgezeichnet und auch da einmalig
gemacht.

Die Lehrtätigkeiten an der Universität in Oldenburg sind Ausdruck seiner wissenschaftlichen Expertise und haben die Transaktionsanalyse publik gemacht.

Mit Ute zusammen hat Heinrich die Werkstatt für
Psychologie aufgebaut. Das gemeinsame Institut war für Heinrich ein Ort für Besinnung, Wachstum, Lernen, Lehren; Entwicklung durch Dialog, Potentialentfaltung, Arbeit mit Systemen. Und eben auch eine „Denkfabrik“ und Ort des kreativen Schreibens.

Aus der „Denkfabrik“ entstanden sind Aktivitäten und eine sehr große Zahl von Werken in Büchern und Zeitschriften, die bis heute aktuell sind und begierig gelesen werden und zu lebendiger Diskussion anregen. Wissenschaft schaffen durch Veröffentlichungen, durch Beiträge in Fachzeitschriften war ihm wichtig. Die Transaktionsanalyse fundiert und wissenschaftlich zu vertreten und dabei dennoch den Kern der humanistischen Grundüberzeugungen als Identität in den Mittelpunkt zu stellen, war für Heinrich bedeutsam. Dies zeigte sich dann in seinen Veröffentlichungen zu seinem Spezialgebiet „Menschenbild“ in Buchbeiträgen oder Artikeln z. B. „Begriff und Funktion von Menschenbildern in Psychologie und Psychotherapie“, „Transaktionsanalyse und Ethik: Orientierung in orientierungsarmer Zeit“ oder auch „Das Menschenbild in der Transaktionsanalyse“. In seinen
Schriften und Vorträgen zum Menschenbild, zur Autonomie, Heilung, Ethik, Spiritualität waren es nicht die Einzelaspekte, mit denen er sich auseinandersetzte. Der Überbau oder das Fundament, d. h. die Integration aller Aspekte war sein Leitmotiv. Er war mit aller Wissenschaftlichkeit stets an ethischen und politischen Themen fundiert und fragend präsent und hat gleichzeitig das Wesen der Einzelnen geachtet und er ist mit den Menschen den Weg des Gewordenseins und des Wachsens ganz individuell und nah gegangen. Dies war auch sein Anliegen als Herausgeber verschiedener Sammelbände, wie z. B. „Beratung zu professionellem Wachstum“ oder „Beratung zur Lebensbewältigung“.

Viele Werke haben Heinrich und Ute Hagehülsmann als Co-Autoren geschrieben und entsprechend veröffentlicht, für beide eine Selbstverständlichkeit, Teil ihrer Beziehung und Ausdruck einer fast 43 – jährigen Zusammenarbeit. Die Aufzählung einiger Titel mag hier gestattet sein, um die Vielfalt dieser Arbeiten quer durch alle Anwendungsbereiche der Transaktionsanalyse zu verdeutlichen: „Burnoutein gesamtgesellschaftliches Phänomen“; “Prozessberatung in Organisationen“; „Verantwortliche Führung in Veränderungsprozessen“ ; „Beziehungsorientierte transaktionsanalytische Psychotherapie“; oder die beiden Bücher“ Der Mensch im Spannungsfeld seiner Organisation“ oder
„Entschieden für Dich“.

Hervorzuheben ist auch das Interview auf der AGHPT-Seite, in welchem Heinrich Hagehülsmann unsere Transaktionsanalyse präsentiert und wie selbstverständlich den integrativen Ansatz der TA in der Humanistischen Psychotherapie zeigt.

In der Laudatio 2018 konnte ich zusammen mit Heinrich entlang der
vier existentiellen Lebensfragen (Yalom) gehen, die nun angesichts der
Endlichkeit im Blick sind:
„Keine Beziehung kann die Isolation auslöschen. Jeder von uns ist in
seiner Existenz allein. Aber das Alleinsein kann auf eine Weise geteilt
werden, dass die Liebe den Schmerz der Isolation aufwiegt. Echte
„bedürfnisfreie“ Liebe dient nicht dem Zweck, der existenziellen
Einsamkeitserfahrung zu entrinnen, wir missbrauchen den anderen
nicht als Flucht-Instrument, sondern wir begegnen ihm und lieben ihn für das, was er ist. “ Im Eingestehen von Ohnmacht und dem Versuch, den schmalen Pfad des Möglichen zu gehen, hat Heinrich Hagehülsmann Menschen zusammengeführt und zu Denken, Fühlen und Handeln stimuliert. Die in Heinrich wohnende Bindungsfähigkeit und Verantwortung war die Schaffensgeburt seiner Wirksamkeiten. Dafür sei Dank.

In der TA-Gemeinschaft, im Miteinander von Bezogenheit und guter Abgrenzung hat Heinrich Hagehülsmann sinnvolles Leben verwirklicht.

Heinrichs Frau, Ute, und Christina, seine Tochter, sind aktive Kolleginnen der DGTA-Gemeinschaft. Sie vermitteln uns einen ganz nahen Lebensgeist von Dir, Heinrich, verbunden mit dem jeweils ganz Eigenen. So wie auch wir herausgefordert sind, Dich zu würdigen und gleichermaßen das Eigene zu finden.

Ich bin sehr traurig über den Tod von Heinrich Hagehülsmann und ich bin glücklich, ihn erlebt haben zu dürfen als Freund, als Kollegen, als Mensch. Heinrich, ich werde Dich vermissen auf so vielen Ebenen.

Heute, am 20.03.2020, wurde Deine Asche, Heinrich, im engsten Familienkreis zu Grabe getragen. Dona nobis pacem – schenke uns Frieden.

Unser Mitgefühl ist bei Ute, Anna-Mareike und Christina

Karl-Heinz Schuldt

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