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Good Bye Claude Steiner

Profilfoto von Claude Steiner

1957 lernte Claude Steiner in San Francisco Eric Berne kennen und wurde sein Schüler, Weggefährte, Freund und Mitbegründer der Transaktionsanalyse sowie Gründungsmitglied der ITAA.

Neben seinen vielen Arbeiten und Publikationen zur TA-Theorie (er bekam 2mal den Eric Berne Scientific Award: für die Skriptmatrix 1971 und für die Stroke-Ökonomie 1980 ) kam es unter dem Eindruck des Vietnamkrieges zu einer zunehmenden Politisierung Claudes. Dazu kam der Einfluss der vielfältigen Befreiungsbewegungen Ende der 60iger Jahre.

Mit anderen politisch engagierten Weggefährten gründete er die Radikale Psychiatrie Bewegung, die sich dem damals gängigen psychiatrischen und gesellschaftlichen Mainstream widersetzte, indem sie unmenschliche Strukturen in den Organisationen und der Gesellschaft aufdeckte, ausbeuterische Machtstrukturen im Kapitalismus in Frage stellte und ihnen die Idee der Kooperation entgegenstellte.

In seinem Emotional Literacy Konzept, das er seit 1975 in Theorie und Praxis entwickelte und 1997 publizierte,  verband er die theoretischen Überlegungen der Transaktionsanalyse mit seinen politischen Überzeugungen und seiner Vorstellung von Menschenliebe und entwickelte ein Trainingsprogramm, das er in vielen Teilen der Welt Menschen nahebrachte.

Die Gründung der DGEK e.V. (Deutsche Gesellschaft für Emotionale Kompetenz) im Jahr 2010 zu erleben, bedeutete ihm sehr viel, da er erleben konnte, wie seine Ideen weitergetragen wurden.

Claude hat uns einen Schatz hinterlassen, der sowohl in privaten Beziehungen wie beruflicher Zusammenarbeit und Führung eine Alternative aufzeigt, Systeme aus Herrschaft, Kontrolle und Unterwürfigkeit aufzugeben, damit persönliche Macht durch Autonomie und Kooperation in Beziehungen eine Chance bekommen.

„Liebe ist die Antwort“ – das waren seine letzten Worte. Ein radikal ehrlicher Mensch und Humanist ist von uns gegangen.

Wir und ein großer Kreis von Transaktionsanalytikerinnen und Transaktionsanalytikern arbeiten mit seinem Modell und erleben seine Kraft.

Erfüllt mit Dankbarkeit und Trauer sagen wir „good bye Claude“.

                                                        (Verfasser: Hartmut Oberdieck und Norbert Nagel)

Persönliche Eindrücke von Claude Steiner

Hartmut Oberdieck, CTA aus Grönenbach

DGTA: Was hast Du an der Persönlichkeit „Claude Steiner“ geschätzt?

Hartmut Oberdieck: Seine Ehrlichkeit (nicht nur in Workshops und offiziell) sondern gerade im wirklichen Leben, seine radikale Unangepasstheit (über die sich meine Kinder, als sie klein waren, kringelig lachen konnten), sein politisches Engagement für „Liberation“ des Einzelnen und der Gesellschaft, seine liebevolle Haltung und seine Großzügigkeit, seine tiefe Freundschaft zu mir, dass er als Jude sein Konzept von Emotional Literacy nach Deutschland gebracht hat

DGTA: Was hast Du von ihm gelernt?

Hartmut Oberdieck: Das Konzept der Emotionalen Kompetenz, jahrelang als sein Schüler später Kollege,  die Erlaubnis, der Einengung eines deutschen „50iger Jahre“ Kindes zu entfliehen. Dass Liebe die Antwort ist (das waren u.a. seine letzten Worte).

Dr.  Anne Kohlhaas-Reith (TSTA), Waldkirch

DGTA: Wo bist Du Claude Steiner begegnet?

Anne Kohlhaas-Reith: Ich bin Claude Steiner 1976 beim 2. EATA-Kongress in Enschede, Niederlande, zum ersten Mal begegnet und habe seine Ideen schätzen gelernt. Bei der ITAA-Konferenz 1977 in San Francisco habe ich ihn dann näher kennengelernt. Ich hatte ihn in den folgenden Jahren sehr oft hier zu Workshops eingeladen, die ich über mein Institut organisiert hatte. Außerdem hatten wir uns ab der EATA-Konferenz in Utrecht, Niederlande, im Jahr 2002  mit ca. 15 Personen aus verschiedenen Ländern zu einer „EmLit-Gruppe“ zusammen gefunden (EmLit = Emotional Literacy, meist mit Emotionale Kompetenz übersetzt), die sich jährlich für mehrere Tage traf, um die Verbreitung dieses speziellen TA-Konzeptes und die Weiterbildung in diesem Bereich gemeinsam weiter zu entwickeln.

DGTA: Was hast Du von ihm gelernt?

Anne Kohlhaas-Reith: Ich habe von ihm gelernt, wie bedeutsam Macht, Kooperation und emotionale Kompetenz sind. Wichtig waren mir dabei u.a. Claudes Grundannahmen:

 „Alle haben das gleiche Recht auf Befriedigung ihrer Bedürfnisse!“ 

„Es ist genug für alle da!“

Weiter habe ich von ihm konkrete Schritte für die Umsetzung dieser Grundannahmen gelernt, nämlich z.B. das „Action/Feeling-Statement“ (Handlungs- und Gefühlsaussage ohne Wertung).

Claudes Theorien zur Macht, Kooperation und emotionalen Kompetenz halte ich nach wie vor für hochaktuell und lehre sie sehr gerne.

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