Heilung
Selbstheilungskompetenz und Autonomie

Die Transaktionsanalyse ist ihrem Herkommen nach ein psychotherapeutisches Verfahren, dass der analytisch- humanistischen Richtung zugeordnet werden kann. Das drückt sich besonders in ihrem Menschenbild, ihrer Sprache und ihrer Wertschätzung der Intuition aus.

Humanistisches Menschenbild

Die TA geht von einem humanistischen Menschenbild aus. Das besagt, dass Menschen ihrem Wesen nach „o.k.“ und dass sie erlebende und denkende Wesen sind, die sich im Rahmen ihrer Alternativen entscheiden können. Letztlich bedeutet das, dass der Mensch in seinem Kern eine spirituelle Dimension hat.

Die TA hat sich von Beginn an um eine einfache Sprache bemüht. Denn die üblichen fremdwörterreichen Fachsprachen haben oft den Sinn, einen Nimbus der Exklusivität zu schaffen; sie dienen keineswegs nur der Präzisierung von Begriffen. Da Psychologie entscheidend das Bild des Menschen von sich selbst beeinflusst, haben wir die Verpflichtung, so klar und allgemeinverständlich wie nur möglich, die, von uns gefundenen psychischen Strukturen, zu schildern. Die einfache Sprache der TA ist kein Zeichen ihrer schlichten Struktur, sondern das jahrzehntelange Bemühen, komplexe Zusammenhänge verständlich darzustellen.

Psychische Prozesse

Der Mensch orientiert sich nur z.T. über rational diskursive Strukturen, größtenteils orientiert er sich über intuitive, empathische Prozesse. Dies gilt für praktisch alle emotionalen und existentiellen Vorgänge. Ein nur rationales Verstehen psychischer Prozesse lässt diese Vorgänge verflachen und führt oft zu einem Sinnesverlust. Die Begriffe der TA selbst sind intuitiv gefundene Begriffe und besitzen oft eine größere Tiefe, als es zunächst scheint, und sie erschließen sich dem Auszubildenden erst im Laufe der Zeit. Andererseits entsprechen sie durchaus den empirisch gefundenen Zusammenhängen in der Psychologie.

Die TA ist kognitiv. Das bedeutet, dass sie psychische Strukturen auf ihre inhaltliche Bedeutungen und implizierten Überzeugungen hin untersucht.

Die TA geht von der zentralen Bedeutung des Bindungsbedürfnisses für das Motivationssystem des Menschen aus. Konflikte entstehen besonders aus nicht bewältigten Bindungsproblemen.

Autonomie

Die TA stellt die sich selbst entscheidende und organisierende Psyche in den Mittelpunkt ihres therapeutischen Ansatzes. Therapie dient dazu, dem Menschen zu helfen, sich seiner Autonomie wieder bewusst zu werden. Diese Betonung der Selbstheilungskompetenz entspricht besser der Nichtlinearität komplexer Systeme als die Vorstellung, dass der Therapeut als „Macher“ auftritt.

Der praktische psychotherapeutische Ansatz umfasst fast alle Bereiche der Psychotherapie in der Behandlung psychischer Störungen verschiedener Schweregrade. Es existieren Erfahrungen und Konzepte zur Behandlung eines breiten Störungsspektrums.

Emotionale Entwicklung

Bei der Anleitung zu Selbsterfahrung und Persönlichkeitsreifung steht die Bewusstwerdung der Einschränkungen durch blockierende Skriptbotschaften, von emotionalen Fehlhaltungen, verdeckten Lebenszielen und lösungsfeindlichen Verhaltensweisen im Vordergrund. Entsprechend ist Selbsterfahrung auch ein notwendiger Teil der Therapeutenausbildung.

Der systemische Aspekt der Transaktionsanalyse, in ihrer Kommunikations- und Spieltheorie macht sie besonders geeignet zur Beratung und Behandlung von Paaren und Familien. Oft macht erst die bewusste Wahrnehmung der Metastruktur dieser Abläufe den Wechsel zu einem konstruktiven Verhalten möglich.

Psychotherapie in Gruppen

In ihrer praktischen psychotherapeutischen Arbeit bevorzugt die TA vielfach die Gruppentherapie. Hier ist es möglich, dass soziale Beziehungen real gelebt und in ihren destruktiven Anteilen von allen gesehen und leichter geändert werden können. Daneben hat aber auch die Einzelarbeit an Bedeutung gewonnen, so dass die TA heute nicht mehr als primäre Gruppentherapie bezeichnet werden kann.

Zum Verständnis von Heilung in der Transaktionsanalytischen Psychotherapie

Etymologisch ist der Heilungsbegriff durch ein „Ganz-Werden“ bestimmt und weist auf den Prozess der Wiederherstellung der körperlichen und seelischen Integrität hin.
Heilung ist sowohl ein Prozess,  als auch das Ergebnis desselben.
Es geschieht Heilung von (Krankheit) und auch auf etwas hin (Gesundheit).

Eric Berne, der Begründer der TA, betonte immer wieder, dass Heilung das oberste Ziel der Psychotherapie sei und verstand darunter „Skriptheilung“ mit dem Ziel der Skriptfreiheit. In diesem Heilungsprozess arbeitet der Patient unter Anleitung und Nutzung des Beziehungsangebotes des Therapeuten aktiv darauf hin, sich von den einschränkenden und destruktiven Elementen seines Lebensskriptes zu befreien und Autonomie mit den Fähigkeiten zu Bewusstheit, Spontaneität und Intimität zu erreichen und in seinen Lebensvollzügen umzusetzen.
Eine so gelebte Autonomie befähigt den Menschen im Angesicht der Herausforderungen und Angebote des Lebens selbiges verantwortlich, freudig, schöpferisch und sinnerfüllt zu gestalten und für sich und andere Lebenswertes daraus zu formen und zu gestalten.

Heilung geschieht durch Neuanpassung und Re-Integration innerhalb wie auch im Zusammenwir-ken der verschiedenen Zustände und Befindlichkeiten des Ichs. Dabei werden sowohl Prozesse der Entwirrung von Kind-Ich-Zuständen (Entziffern, Entgiften, Entzerren, Neuorganisation alter Erfahrungen) als auch Prozesse der Stärkung der Hegemonie des Erwachsenen-Ichs angeregt.

Heilung entsteht auch durch Modifikation, Erweiterung, Ergänzung oder auch Neutralisierung elterlicher Introjekte und der, aus der Vergangenheit stammender, Entscheidungen.

Das TA-Konzept des Bezugsrahmens sieht Heilung als eine bereichernde Veränderung der steuernden Struktur einer Persönlichkeit, die Reaktionen verschiedener Ich-Zustände auf Stimuli verknüpft und organisiert.

In einem therapeutischen Prozess kann sich dann durch einen fruchtbaren Kontakt zum Thera-peuten (Therapeutin) der Bezugsrahmen erweitern und flexibilisieren und die Herangehensweise an die Welt je nach Notwendigkeit variiert und positiviert werden.